Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien:

Thursday, December 15, 2005

Ich bin nicht schuld!

Also: damit es nachher nicht heißt, ich hätte nichts gesagt, muss ich hier dringend meine Meinung zu den neuesten Anti-Datenschutzschweinereien kundtun, die die kürzlich erwähnte Verfügung zur Zensurpflicht bei Forenbeiträgen in ihrer Gefährlichkeit noch deutlich in den Schatten stellen.

Wer es noch nicht mitbekommen hat (die Berichterstattung in deutschen Nicht-Internet-Medien muss wohl irgendwo zwischen "unterirdisch" und "nicht vorhanden" rangiert haben): das EU-Parlament hat einen Beschluss zur massiven Ausweitung der Vorratsdatenspeicherung gefasst. Das heißt, sämtliche Verbindungsdaten von Telefon- und Internetverbindungen sollen in Zukunft für mindestens 6, gerne aber auch bis zu 24 Monaten von den Providern gespeichert werden und den Ermittlungsbehörden zugänglich sein. Diese erhoffen sich -- wer hätte es gedacht? -- wundersame Erfolge gegen den guten alten Terrorismus. Widerstand gab es im Parlament wohl nur bei den üblichen Verdächtigen, die aber mit 387:204 eine deutliche Niederlage gegen eine große Koalition der Datenkraken erlitten. Außerparlamentarisch gab es starken Widerstand vor allem von Vertretern der Provider, die in vielen Staaten vermutlich selbst für die Kosten der Speicherung aufkommen müssen, und diversen Datenschutzanhängern.

Die besten Beiträge zum Thema finden sich bei Heise und der Zeit.

Sunday, December 11, 2005

Folie et bierre

Okay, we always knew it: mental asylums in the era of the Great Confinement could not have been all bad, that would be just too un-Foucaultian. So the article by Niall McCrae in History of Psychiatry finally proves it: at least they had beer!

Routine distribution of alcoholic beverages to mental hospital patients would be a fanciful prospect today, yet in the formative decades of lunatic asylums, beer was standard issue. A staple item in the supposedly healthy Victorian asylum diet, beer also served as inducement for patient labour. Around the mid-1880s, this commodity was abolished throughout Britain’s mental institutions. This paper explores the factors that combined to condemn the beer barrel to asylum history, and, in particular, how this small comfort for inmates fell foul of the medicalization of the asylum and of the professional project of psychiatry.

Thursday, December 08, 2005

Design Update

Wie drüben gibt es jetzt auch hier in der Sidebar fünf Zufallsfotos von meinem flickr-Account zu sehen. Und da ich schon beim Vorlage-Ändern war, habe ich auch gleich noch die Creative Commons-Lizenz integriert. Als nächstes wäre dringend mal ein anständiges Bild für den Header fällig...

Monday, December 05, 2005

Zensur

Im Rahmen des World Summit on the Information Society bekam die Zensur des Internets wieder einmal erhöhte Aufmerksamkeit. Die Assoziation, die sich dabei einstellt, sind vermutlich erst einmal chinesische Schergen, die in Hinterhof-Internetcafés bloggende Dissidenten verhaften oder die anonyme Zensur über diverse Filtersysteme.

Doch auch in Deutschland ist die Informationsfreiheit prekär, wie nicht zuletzt eine Entscheidung des Hamburger Landgerichts zeigt. Dort wurde eine einstweilige Verfügung bestätigt, "nach der es heise online verboten ist, Forenbeiträge zu verbreiten, in denen dazu aufgerufen wird, durch den massenhaften Download eines Programms den Server-Betrieb eines Unternehmens zu stören. Der Heise Zeitschriften Verlag wird damit faktisch gezwungen, sämtliche Beiträge zu den Diskussionsforen im Vorhinein auf diesen Rechtsverstoß hin zu überprüfen." Sollte dieses Urteil Bestand haben (heise legt Rechtsmittel ein), wäre das der Tod praktisch sämtlicher Forensysteme und auch der Kommentarfunktionen bei Blogs. Meinereiner könnte die zwei Kommentare pro Monat ja im Prinzip noch von Hand vor der Veröffentlichung prüfen, aber ab einem bestimmten Aufkommen (heise hat wohl 220 000 Postings/Monat) ist das natürlich unmöglich.

Sunday, December 04, 2005

"I liked the old stuff better..."

The above quote (alternative version: "I only liked their demo") is a absolutely necessary part of your vernacular if you want to be a real punk rock or hardcore kid. As some of us are either too young to actually own the old stuff and/or don't have the money to pay 50+$ for some 7inch, there is still hope. He doesn't offer it all, but it's a fine and ever growing selection.

Another good source for old stuff can be found here. While 7inchpunk offers direct downloads, killedbydeath is a 128k-stream.

Thanks to Spreeblick for the hint.

Friday, December 02, 2005

Advent

Die Zeit vor Weihnachten hat eine Vielzahl übler Begleiterscheinungen wie grausliche Musik im Supermarkt, überfüllte Lden, schlechtes Wetter usw. usf. Umso mehr freut es mich, etwas Positives über die Adventszeit berichten zu können: Sie beschert uns nämlich ein Blog von Sven Regener, bekannt als Sänger von Element of Crime und Autor wunderbarer Bücher über Frank Lehmann. Wer die Bücher kennt, wird sich schon denken können, was ihn erwartet, und alle anderen sollten die Gelegenheit schleunigst nutzen, Regener kennenzulernen.

Friday, November 11, 2005

Frankreich

Nur eine klitzekleine Anmerkung zur Lage in Frankreich: Ich war mehr als überrascht, als ich einige Tage nach Beginn der Ausschreitungen (sie hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits über das ganze Land ausgebreitet) in der Tagesschau hörte, wieviele Polizisten zur Eindämmung der Krawalle im Einsatz waren. 8000! Während ich mich zuvor noch gefragt hatte, wie es den Kids gelingen konnte, ein solches Ausmaß der Zerstörung zu erreichen, wurde mir angesichts jener Zahl einiges klar. Zur Veranschaulichung für mit Polizeitaktik weniger Vertraute: 8000 ist genau die Zahl an Cops, die 2004 am 1. Mai in Berlin im Einsatz waren. Ja -- allein in Berlin! Sehr seltsam, diese offensichtliche Fehleinschätzung der Lage.

Thursday, November 03, 2005

Trackback? Backlink?

Blogger scheint nun endlich endlich Trackbacks eingeführt zu haben. Zufällig bin ich bei den Einstellungen auf die Option "Backlinks aktivieren" gestoßen und der Hilfetext klingt eigentlich so, als ob sich um eine Trackback-Funktion handelt. So ganz sicher bin ich mir allerdings nicht, und Google hat oft die schlechte Angewohnheit, auf neue Features nicht hinzuweisen. Vielleicht ist es noch Beta? Oder ich muss meine Vorlage ändern (der Link zur Anleitung ist leider tot)? Warten wir mal ab, vielleicht funktioniert es ja auch.

Addendum: Es ist tatsächlich etwas anderes als Trackback. Aber auch nicht schlecht, denke ich. Und ich muss meine Vorlage nicht von Hand ändern.

Die Währung der Bildung

Der TransatlanTicker hat auf die Daumenregel des DAAD bei der Umrechnung von US- in ECTS-credits hingewiesen. Für einen US-c soll man zwei ECTS-c bekommen.

Da ich diese Umrechnung intuitiv als schief empfand, habe ich folgende Berechnungen angestellt:

Ein Cornell-Seminar hat dieses Semester 14 Sitzungen á 115 Minuten, ein deutsches Seminar ebenfalls etwa 14 Sitzungen á 90 Minuten. Damit kommt man in Cornell auf knapp 27h, in D auf 21h. Für ein Hauptseminar mit benotetem Schein bekommt man in D wohl 7 Credits [1], hier gibt es für ein Graduate-Seminar 4 credits, die nach oben genannter Formel 8 Euro-Credits wert wären. Wenn man nun davon ausgeht, dass die Vor- und Nachbereitungszeit + Hausarbeit in D und US gleich sind (was natürlich nicht stimmt) , käme man in D auf 0,33 credits/h, in US auf 0,30 credits/h.

Fazit: Die Umrechnung ist besser als erwartet, zumindest wenn man in D nicht vom realen Durchschnittsaufwand außerhalb der eigentlichen Lehrveranstaltung ausgeht, sondern von einem fleißigen, aber nicht zu schnellen Studierenden. Erhöhte man den Umrechnungsfaktor auf 2,5, ergäbe sich ein credit/h-Verhältnis von 0,33(D) zu 0,37(US), was ich angemessener fände. Aber ist ja auch nur eine Daumenregel.

Wednesday, November 02, 2005

Vierfruchtmarmelade, Versicherungsbescheide

Dieser Eintrag ist eigentlich eine Notiz an mich, damit ich das Projekt nicht aus den Augen verliere. Das Projekt ist eine Kompilation der raren (das macht es realisierbar), aber dafür zumeist umso skurrileren (das macht es erstrebenswert) Beispiele im Werk Niklas Luhmanns.

Eine kleine Kostprobe gefällig?

Man vertraut zum Beispiel als Mitglied oder Nichtmitglied auf die großen Organisationssysteme der Sach- und Datenverarbeitung, obwohl man weiß, daß die Ziele dieser Systeme nicht die Ziele der in ihnen wirkenden Menschen sind, daß vielmehr alle Beteiligten auf komplexen, störanfälligen und im einzelnen nicht einsehbaren Umwegen motiviert werden müssen, Vierfruchtmarmelade, Versicherungsbescheide usw. zu erzeugen. (Vertrauen. Stuttgart: Enke, 1968, S. 67)

Tuesday, November 01, 2005

Bescheidenheit ist (k)eine Zier?

Wenn man sich an einer amerikanischen Elitehochschule wie Stanford bewirbt, scheint die Tugend der Bescheidenheit jedenfalls nicht sehr verbreitet zu sein. Kostprobe gefällig?

Gold is not always a shifting, malleable metal; it is hardened by alloying with
other metals, increasing its strength. I hope to go through a corresponding process at
Stanford. I want to become a more solid citizen through exposure to other viewpoints and cultures, and by offering my own. I will mix with new perspectives; I will alloy with my fellow students, with my professors, and with the learning that both groups impart in order to become stronger academically, socially, and culturally.
Der güld'ne Student will sich also an den unedlen Metallen (a.k.a. KommilitonInnen und ProfessorInnen) in Stanford stärken...

Leider weiß ich nicht, ob die Bewerbung erfolgreich. Ich bin dieses Meisterwerks vermittels eines Artikels (leider nicht frei zugänglich) über die Kovariation von Textkomplexität und Einschätzung der Intelligenz des Autors habhaft geworden. (Methodisch zweifelhaftes) Ergebnis der Studie ist, dass komplexere Texte zu einer niedrigeren Intelligenzschätzung führen. Der Artikel selbst hat übrigens selbst noch eine (absichtliche?) Stilblüte gleich im Titel zu bieten: "Consequences of Erudite Vernacular Utilized Irrespective of Necessity: Problems with Using Long Words Needlessly". Welche Intelligenzschätzung sich der Autor, Daniel M. Oppenheimer, damit wohl verdient hat?

Sunday, October 09, 2005

Donna Summer...

... ist nicht nur der Name einer Discoqueen, sondern auch das Pseudonym von Jason Forrest. Ich war schon 2004 durch einen Zeitungsartikel auf ihn aufmerksam geworden und habeDonna Summer auf der Fusion dann auch live gesehen. Dort war ich nur mittelmäßig beeindruckt und sein Album fand ich zwar recht gut, aber auch nicht umwerfend. Durch einen neuerlichen Artikel, diesmal in der Zeit, stieß ich auf die Website seiner Sendung beim New Yorker Sender WFMU und ich kann sie nur wärmstens empfehlen! Es gibt sämtliche Sendungen als Stream inclusive Playlists. Musikalisch wird ein breites Spektrum von Elektronika aller Provenienz geboten -- verhackstückte Disco-Songs, Gabber-Genüppel, Breakcore, abgefahrene Remixe, House usw. Die Platten und CDs ercheinen in der Regel auf obskuren Mini-Labels oder werden Herrn Summer von den Künstlern (Frauen scheinen rar im genre zu sein) auf CD-R zugeschickt. Ich höre heute schon den ganzen Tag archivierte Shows und stoße immer wieder auf neue Perlen (wo findet man sonst schon Deathmetal-Grindcore mit einem Papagei am Gesang?)

Forrest lebt inzwischen übrigens in meiner alten Heimat Berlin.

Thursday, October 06, 2005

Copy, Shake, Paste, and Pay

Kürzlich habe ich hier über die Plagiatsproblematik an deutschen Hochschulen berichtet. Auf SpiegelOnline wird heute über die drastischen Maßnahmen der Uni Münster berichtet. Mir ist allerdings vollkommen unklar, warum man auch auf Geldbußen als Sanktion zurückgreift. Ist der Ausschluss von weiteren Prüfungen nicht eine hinreichende Drohung? Außerdem haben Geldbußen immer das Problem, dass sie sozial selektiv wirken (bei 50 000 Euro relativiert sich das allerdings wieder etwas...).

Wednesday, October 05, 2005

Seabiscuit

Ja, ich weiß: ich schreibe hier immer nur über alten Kram. Und oft auch über schlechten. Für ersteres bin natürlich ich selbst schuld, für zweiteres kann ich jedoch definitiv nichts.

Also mal wieder etwas über einen schlechten Film, nämlich Gary Ross' Seabiscuit. Wie die Zeit berichtet, war Ross wohl Redenschreiber für Bill Clinton und das merkt man. Der ganze Film ist voller Pathos, "jeder kann es schaffen, wenn er nur darum kämpft", "wir Amerikaner haben eine zweite Chance verdient", blablabla. Die Charaktere passen in ihrer Holzschnittartigkeit hervorragend zu diesen Platitüden: der unerträglich sympathische Underdog Tobey Maguire, der altmodisch-rätselhafte Pferdeflüsterer, der erfolgreiche Vater-Geschäftsmann, der alles in seinen Traum investiert, die sich modern kleidende, aber letztlich doch nur gutaussehend herumstehende Ehefrau, der schwarze Pferdeknecht, der auf etwa sechs Zeilen Dialog bekommt usw usf. Auch die (zugegebenermaßen gut gemachten) Bilder von schwitzenden Pferdeleibern, Rennfans mit Hut und ähnlichem runden den Eindruck ab. Wenn man die Botschaft gut findet, wird man diesen Film vermutlich lieben, ansonsten ist er nur schwer erträglich.

Thursday, September 29, 2005

Commodities you cannot buy

While reading an article about collaboration of science museums I came across a strange economical fact: You could not buy a robot dinosaur model at 1996. This fact (btw: meaning the end of one long-year museum cooperation), seems to be quite contradictory to what I know about economy, both in a mainstream and in a Marxist understanding. The authors of the article claimed that manufacturers of the dinosaurs based their business on leasing fees but this does not explain why it is not possible to buy a model---the manufacturers shouldn't care too much if they get their money in one payment or over some years. I really cannot make sense of this story, and I'd be really interested if there are other products that are commodified in this strange way.

PS During my research on this topic I found out that the Natural History Museum in London became a retailer (yes, now they also the stuff) for dino-models. Modern capitalism is really complicated...

Haloscan

Wie schon im Blog meines amerikanischen Alter Ego beschrieben
hatte ich auch in der Luftpumpenwelt versehentlich das Haloscan-Kommentarsystem installiert und es nun wieder entfernt. Kommentare sind dadurch keine verloren gegangen, da hier ja eh nie niemand was schreibt...

Copy, Shake, and Paste

Bei Telepolis gibt es einen interessanten Artikel von Stefan Weber zum Wuchern des Plagiierens, sowohl im universitäten Kontext als auch bei der Wikipedia. Die Zahlen von 15--20 Prozent scheinen mir durchaus realistisch zu sein, was sicherlich auch mit dem laxen Vorgehen deutscher Universitäten zu tun hat. Ein befreundeter Dozent, dem man ein Plagiat als Hausarbeit eingereicht hatte (Erkennungsmerkmal: "das war zu gut formuliert"), ließ es mit der Aufforderung, das ganze doch bitte abzuändern, bewenden; und die zweite Version unterschied sich auch nur marginal von der ersten...

Hier in den USA ist zumindest die Politik der Universitäten deutlich
konsequenter: Alle Studierenden (und Angestellten) verpflichten sich,
einen "Code of Integrity" einzuhalten und Verstöße
können bis zu einem Nichtbestehen des Kurses führen (was hier eine
recht drastische Maßnahme ist, da man in vielen Graduate-Kursen keine
failed courses haben darf, um zum Abschluss zugelassen zu werden). Wie die Handhabung in der Praxis aussieht, kann ich nicht einschätzen.

Sunday, September 18, 2005

Sende jetzt eine SMS mit WAHL05...

Gerhard Schröder

Morgen im Fernsehen:
+ + +
Hol dir den cooooolsten Klingelton auf deeeeeiiiiin Handyyyyy.
Schicke einfach "WAHL05" an die 11445 und du bekommst diesen
cooooolen Klingelton mit dem bekifften Schröder direkt aufs
Handyyyyy.
Einfach "WAHL05" an die 11445.
+ + + [1]


Ich habe mir die "Elefantenrunde" gerade im Livestream bei Phoenix angeschaut und der obige Post im Heise-Forum trifft es voll. Wobei er eher wie vollgekokst und nicht wie bekifft wirkte. Wer zum Teufel hat dem armen Bundeskanzler etwas ins Glas gekippt??

Ernstnehmen kann man diesen Wahlquark jedenfalls nicht (welch Überraschung). In diesem Sinne muss ich also nicht nur vom kleineren Übel kotzen.

Was ich übrigens spannender finde als das widerliche Gebaren von Schröder et al., ist das offensichtliche Versagen der Meinungsforschungsinstitute. Die Erklärung, dass sich die Leute eben erst am Samstag oder Sonntag entschlossen haben, finde ich ein wenig billig. Man müsste sich einmal Studien ansehen, die untersuchen, wann Leute ihre Entscheidung treffen und ob die "Last-Minute"-Wählerinnen und -Wähler wirklich so massiv zugenommen haben.

Thursday, September 15, 2005

Old Boy

Eigentlich hatte ich geplant, jetzt nach meinem Kinonbesuch, in der Bib zu sitzen und noch ein wenig meine heutige Seitenbilanz aufzubessern. Nach dem Genuss(?) von Oldboy habe ich mich aber kurzfristig umentschieden -- dieser Film von Chan-wook Park hat mich doch zu sehr mitgenommen. Ich hatte zum Start in Deutschland schon einige sehr positive Kritiken gelesen, in denen aber auch vor den sehr expliziten Gewaltszenen gewarnt wurde. Ich bin in dieser Hinsicht sowieso eher zart besaitet und hatte dementsprechend die Befürchtung, mir während des ganzen Filmes die Augen zuhalten zu müssen. Dem war zum Glück nicht so: Zähneausbrechen in Großaufnahme und ähnliches nimmt nur einen kleinen Teil des Filmes ein. Dennoch ist Gewalt, blind zuschlagende, nicht erklärbare Gewalt das Kernelement der Geschichte, die ich an dieser Stelle nicht nacherzählen will. Der Film ist eine eindeutige Empfehlung, man sollte sich eben nur nichts danach vornehmen.

Tuesday, September 13, 2005

Ich war's!

Normalerweise wird man ja ungern mit Mordfällen in Verbindung gebracht, aber ich diesem Fall nehme ich die mir zustehende Verantwortung gerne auf mich:

Blogs bringen den ökonomischen Tod dummer Medien.
Natürlich nicht sie alleine und nicht in der heutigen Form, aber sicher in den nächsten 10 Jahren. [1]
So jedenfalls das neu eingerichtete Zeit-Redaktionsblog ZEITansage. In diesem Sinne hoffe ich mal, dass die Zeit selbst nicht zu selbigen zählt, da ich mein Geständnis dann vielleicht doch lieber wiederriefe.

Sunday, September 11, 2005

ADHS und Risiko

Wer sich für das Thema Aufmerksamkeitsdefizit-(Hyperaktivitäts-)Störung interessiert, kann seit heute eine kleine Site zu einem unter anderem von meiner Wenigkeit durchgeführten Projekt finden. Auf der Basis von fünf ausführlichen Interviews (teilweise auf der Seite veröffentlicht), wird dort der Frage nachgegangen, ob sich für von AD(H)S Betroffene eine wahrgenommene Unsicherheit ergibt, etwa über Folgen der Medikation oder die Sicherheit der Diagnose, und wie sie damit umgehen. Nichts Weltbewegendes, aber ich finde die Perspektive der Betroffenen in Interviewform recht spannend.

Saturday, September 10, 2005

Fotos vom Yellow Dog-Festival

Ich habe mal ein paar Bilder vom Yellow Dog-Festival im vergangenen Juli online gestellt (nur die harmlosen natürlich...)

Batman Ends --- zumindest für mich

Angelockt vom reduzierten Eintrittspreis von 2 Dollar, habe ich mir gestern Batman Begins angeschaut. Ich will gar nicht viel darüber schreiben, aber es war der schlechteste Film, den ich seit langem gesehen habe. Während ich den alten Batman von Tim Burton wegen seiner hübschen Comic-Ästethik recht nett fand, ist bei Batman Begins jeglicher Charme verloren gegangen. Übrig geblieben ist ein Elend plumper Action-Film, der dazu auch noch langweilig ist. Die Kampf-Szenen sind mit ihren zu schnellen Schnitten ebenfalls uninspirierend und ja: der Film endet damit, dass Batman und seine Jugendfreundin endlich zueinander finden. Würg.

Sunday, September 04, 2005

Was fehlt

  • eine Stereoanlage
  • Neukölln-Nord
  • meine Poster und Fotos
  • mein Elch
  • Energie
  • ihr (ja, genau ihr)

PS Nein, ich bin nicht depressiv, habe kein Heimweh, keinen Kulturschock. Nur ein bisschen schlechte Laune.

Monday, August 29, 2005

Darstellen und Eingreifen

Nachdem meine Postingaktivitaet in letzter Zeit -- ganz gemäß meinem Lebensfokus -- sich auf die Odyssee beschränkt hat, will ich mir nun wieder Zeit nehmen, hier ein etwas umfangreicheres Update zu veröffentlichen. Grund ist, dass ich endlich dazu gekommen bin, Ian Hackings Einfuehrung in die Philosophie der Naturwissenschaften zu Ende zu lesen. Um es gleich vorwegzunehmen: Unbedingt lesen! Alle, die irgendetwas mit Naturwissenschaft, Wissenschaftsgeschichte oder Philosophie am Hut haben, können von diesem Buch nur profitieren.

Die Entscheidung, mir das Buch zu kaufen, hatte ich nach einem begeisternden Vortrag von Hacking im Rahmen der Abschlusskonferenz des virtuellen Labors am MPI für Wissenschaftsgeschichte getroffen. Der Titel des Buches mag für jemanden, die oder der sich schon eingehender mit Wissenschaftsphilosophie beschäftigt hat, vielleicht auf den ersten Blick etwas abschreckend wirken -- auch ich hatte die Befuerchtung, mich bei einer "Einführung" deshäufigeren zu langweilen, doch davon kann gar keine Rede sein! Hacking selbst schreibt treffend:

Mit "einführend" ist hier allerdings nicht "vereinfacht" gemeint. Einführende Themen sollten klar genug und wictig genug sein, um denjenigen, für den sie neu sind, zu fesseln. Außerdem sollten sie widerborstig genug sein, um bei den Lesern, die seit Jahren über diese Gegenstände nachgedacht haben, noch manchen Funken zu entzünden. (9)
Inhaltlich gliedert sich das Buch in zwei Teile, die für Hacking die beiden Tätigkeitsbereich von WissenschaftlerInnen sind: "Darstellen" und "Eingreifen". Der erste Teil gibt dabei einen umfassenden Überblick über die grundlegenden Probleme und Lösungsvorschläge in der Wissenschaftstheorie mit einem Fokus auf der zentralen Frage des Realismus und seiner KritikerInnen.

Für Hacking untrennbar verknüpft mit der Frage der Wissenschaftstheorie sind Fragen der wissenschaftlichen Praxis, also des Eingreifens. Hacking konzentriert sich bei seiner Darstellung in zweiten Teil auf einige paradigmatische Probleme wie die des "Sehens", des Messens oder der Beobachtung und behandelt diese anhand genauer historiografischer Darstellung. Immer wieder gelingt es ihm hierbei, "die großen Männer" der Wissenschaftsforschung historischer Fehler zu überführen; dadurch werden zugleich verzerrte Darstellungen wissenschaftlicher Tätigkeit und unhaltbare theoretische Postulate über Wissenschaft überzeugend kritisiert.

Während des ganzen Textes vertritt Hacking klar und durch Argumente gestützte seine eigene Form des wissenschaftlichen Realismus, die er in folgendem Satz konzentriert: "Was mich betrifft, gilt: Wenn man sie versprühen kann, sind sie real." (47)

Die deutsche Übersetzung ist weitestgehend als gelungen zu bezeichnen. Über die Frage, ob man "representing" mit "darstellen" angemessen wiedergibt, ließe sich sicher vortreffllich streiten, ansonsten gibt es jedoch kaum Grund zur Kritik. Auch das Lektorat und der Satz sind lobend hervorzuheben, vor allem angesichts des unschlagbaren Reclam-Preises von 9,60 Euro.

Nach all diesem Lob noch ein paar kleine Kritikpunkte: Jenseits der sprachlichen Brillianz des Textes, drängte sich mir an vielen Stellen der Wunsch nach Abbildungen auf. Nicht, dass man die Modelle, Beispiele etc. nicht auch ohne Visualisierung verstehen könnte, aber gerade in einem Einführungsbuch wäre es eine schöne Erweiterung gewesen. Eine wertvolle Zugabe, die Hacking liefert, ist die schoene, kommentierte Bibliografie am Ende des Bandes. Diese ist kapitelbezogen sortiert und ziemlich knapp gehalten , was ich eher fuer einen Vorteil halte. An dieser Stelle noch ein Hinweis für alle Latourianer: Wer auf einen Verweis Hackings auf Bruno Latour und die Actor-Network Theory wartet, muss sich sehr lange gedulden: Erst auf der letzten Seite der Bibliografie findet sich ein Hinweis auf dessen Arbeiten, allerdings ohne Erklärung, warum dieser im restlichen Buch unter den Tisch gefallen ist.

Ian Hacking. Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaften. Stuttgart: Reclam, 1996. 477 Seiten, 9,60 Euro.
(Originalausgabe: Representing and Intervening. Introductory Topics in the Philosophy of Natural Science. Cambridge: Cambridge University Press, 1983.)

Sunday, August 28, 2005

Web 2.0.3

Das Thema des "neuen Internets" ist in deutschen Medien gerade anscheinend sehr en vogue: Auch Die Zeit hat einen Artikel zum Thema; in diesem erfährt man allerdings nichts Neues, wenn man die beiden unten kommentierten Technology Review-Artikel gelesen hat. Die im ersten Absatz angesprochene Frage einer möglichen "digitalen Spaltung zweiter Ordnung" zwischen denjenigen, die soziale Software einsetzen und denjenigen, die dies nicht tun, wird leider nicht vertieft.

Wednesday, August 24, 2005

GoogleTalk ist da!

Nachdem es vor zwei Tagen ja schon erste Gerüchte gab, ist GoogleTalk seit heute online. Die Beschreibungen klingen vielversprechend und ich bin gespannt, es auszuprobieren. Wer Lust hat, kann mich unter meinem kliems@gmail.com-Account erreichen, Text und Voice. Mal schauen, ob die Audioqualität an Skype heranreicht (und ich vielleicht mit weniger Verzögerung mit L telefonieren kann).

Monday, August 22, 2005

Soziale (?) Maschinen

In der aktuellen Technology Review ist eine Art follow-up zum weiter unten kommentierten Artikel "Das Web sind wir" erschienen. Unter dem Titel "Soziale Maschinen" geht Wade Roush auch auf die Hardware-Komponente des "neuen" Webs ein. Durch die Verfügbarkeit von Geräten wie Smartphones und WLAN-Laptops, durch die Verfügbarkeit der Informationen und Dienste des Internet an beinahe jedem Ort zu jeder Zeit seien neue Kommunikationsformen und (das ist meine Deutung im Wittgenstein'schen Sinne) auch Lebensformen entstanden. Entgegen dem ursprünglichen (und gescheiterten) Plan, Computer unsichtbar und auf diesem Wege sozialverträglicher zu machen, sei es heute kein Problem mehr, eine Armada von Geräten mit sich herumzuschleppen, solange man mit diesen nur auf das "neue Web" zugreifen könne. Eine weitere wichtige Rolle würde hierbei die zunehmende Verbreitung lokalisierter Dienste spielen, etwa die Bereitstellung von Informationen anhand des Aufenthaltsortes der Benutzerin oder des Benutzer. Selbst die Prognose der als nächstes erfolgenden Tätigkeit sei heute bereits in den Bereich des Möglichen gerückt:

Ein Telefon, das Terminkalender und Aufenthaltsort berücksichtigt, könnte beispielsweise erkennen, dass Sie nach dem Café immer ins Büro gehen, und schon mal beginnen, Ihre E-Mails und Nachrichten auf dem Anrufbeantworter aus dem Internet zu ziehen, während Sie noch Ihren Café Latte schlürfen.
Oder, um es etwas überspitzt zu formulieren: Nachdem Sie sich für 15 Stunden in Ihrem Büro aufgehalten haben, könnte das Handy schon einmal automatisch die Upper und Antidepressiva nach Hause bestellen.

An dieser Stelle setzt auch meine Kritik an: Der Artikel hebt vor allem hervor, wie sehr durch die neuen technologischen Möglichkeiten "unsere" Produktivität gesteigert worden sei, wie wir neue soziale Netzwerke geschaffen hätten, die neue Formen der Kollaboration ermöglicht haben. Die These von der gesteigerten Produktivität sollte relativ einfach zu überprüfen sein, und genau dies, eine genaue empirische Untersuchung, hielte ich für notwendig -- wie die in den ersten Abschnitten von Roush beschriebenen Kontroverse um die Zulassung von WLAN während eines Meetings (Ablenkung versus Möglichkeit der Informationsbeschaffung) andeutet, ist die Lage weniger eindeutig als das im Artikel mitschwingt.

Grundlegendere Fragen, die keine schnellen Antworten haben, aber dafür spannende Themen einer kultur- und sozialwissenschaftlichen Untersuchung wären (Notiz an mich: im Hinterkopf behalten!), sind etwa: Von wem spricht Roush eigentlich in dem Artikel? Vielleicht nur von jungen, gebildeten, erfolgreichen IT-Fachleuten, Online-Journalisten, Manager in den westlichen Metropolen? Welche Auswirkungen haben die Technologien auf "die anderen"? Wenn Roush vom "sozialen Web" spricht: Welche Form der Sozialität wird hier kreiert? Welche Auswirkungen hat dies auf Identität(en)? Welche Interaktionen zwischen Sozialität und Technologie ergeben sich und wie werden die erstgenannten dadurch verändert (Stichworte: Hybriden und Monster)?

Sunday, August 21, 2005

Hair Crimes


Back in the days, als man Musikfernsehen noch schauen konnte (wie haben sich die Sender eigentlich vor der Klingeltonwerbung finanziert?), gab es MTV Sushi, eine Sendung von und mit Stefan Kretzschmar. Die Sendung selbst war eher mittelmäßig, es gab aber immer eine sehr nette Rubrik namens Haircrimes, in denen heiße Metal-Videos aus den 80ern samt der dazugehörigen Verbrechen gegen die Frisierkunst vorgestellt wurden. Etwas Ähnliches gibt es nun auch im Netz, nämlich http://www.fiese-scheitel.de/ Der Name ist Programm, die ganze Palette der Haarverbrechen ist vertreten, vom Nackenschoner über Vokuhilas, skurille Schnauzbart-Variationen bis hin zu Steckdosen-Style-Langmatten ...

Tuesday, July 05, 2005

Summer in the City


Das Wetter ist eigentlich überhaupt nicht passend, aber zufällig ist mir heute wieder das Zitat eines Unbekannten, der seine Ansichten allen Umstehenden am Landwehrkanal kundtat, in die Hände gekommen und ich will es hier dokumentieren:

Im Sommer ist Berlin total verrückt.
Im Winter hocken sie alle in ihrer Bude
und schreien sich an.
Und kaum hat's 25 Grad
wirste vom Fahrrad überfahren.

Wednesday, June 29, 2005

Bin ich das Web?

Na ja, ich alleine wohl nicht, aber "wir" können diese Behauptung durchaus aufstellen, wenn man dem Artikel im deutschen Technology Review folgt. "Wir", das sind all diejenigen Spezies, die im im weitesten Sinne den neuen heißen Trend im Web verfolgen: Social Software. Darunter fallen so heterogene Dinge wie Blogs, soziale Foto-Klassifikationssysteme (oder wie auch immer man Flickr bezeichnen will) oder Business- und Interessencommunities. Das Entscheidende an diesen Technologien ist nicht, dass es sie gibt -- früher gab es durchaus ähnliche Erscheinungen wie Usenet oder Mailboxen --, sondern ihre massenhafte Verbreitung. Das heißt, im "Web 2.0" tummeln sich nicht nur die üblichen Verdächtigen, sondern ein breiter Querschnitt der Bevölkerung (und nicht nur der der Metropolen!).

Welche Konsequenzen das hat und haben wird? -- Der Artikel geht davon aus, dass die Grenzen zwischen Cyber- und "Meatspace" (wieder ein Wort gelernt) nach und nach verwischen werden, "[e]s wird Gewinner und Verlierer geben, neue Chancen, aber wahrscheinlich auch neue Ungleichheit". Aha. Jenseits solcher Plattheiten (@L und Ph: Es ist eine Interaktion!) sind die genannten Entwicklungen sicher wert, tiefer durchdacht zu werden. Eine Frage, die sich mir spontan stellte, war die nach der Bedeutung von Identität, leider fehlen mir aber gerade die Ressourcen, das genauer zu durchdenken.

Wednesday, June 22, 2005

selfLaTeX

In Amelies Welt fand ich den interessanten Hinweis auf das Projekt selfLaTeX. Wie der Name schon andeutet, soll es eine ähnlich umfassende Sammlung von LaTeX-Wissen sein wie das sehr etablierte selfHTML. Im Prinzip finde ich es schön, so etwas zu versuchen, bin aber mal gespannt, ob es klappt. Zum einen müssen sich natürlich Leute finden, die ihre Zeit hier investieren wollen (und nicht beim Schreiben neuer Pakete, Dokus oder in den einschlägigen Newsgroups), zum anderen ist LaTeX schon noch etwas anderes als HTML -- durch die unüberschaubare Zahl von Paketen sind die Probleme mitsamt ihrer Lösung oft sehr speziell und hier bleibt anzuwarten, wie weit ein Wiki hier sinnvoll ist.

Wednesday, June 15, 2005

Wissensmanagement

Durch die Lektüre von "Soziale Systeme" von Luhmann im Rahmen der Kultur-AG bin ich auf Luhmanns System des Wissensmanagements gestoßen, nämlich seinen berühmt-berüchtigten Zettelkasten. Zu dessen Funktionsweise gibt es auch einen Aufsatz von ihm [1], der das System als sehr attraktiv erscheinen ließ. Dazu kam, dass ich mit meinem bisherigen Organisationsprinzip nur mittelmäßig zufrieden war (ein Nebeneinander schriftlicher Notizen, großen Mengen von kopierten und digitalen Texten, sowie eine gut verschlagwortete Literaturverwaltung mit JabRef). Insofern stellte sich mir also die Frage einer sinnvollen Integration. Ein analoger Zettelkasten kommt nicht infrage, da Möglichkeiten wie Volltextsuche, bessere Integration in den Workflow etc. eindeutig für eine digitale Lösung sprechen. Hier stellt sich nun allerdings die Frage, welche Software meinen Bedürfnissen am ehesten entspricht. Auf verschiedenen Wegen war ich bisher über die beiden Programme synapsen und Zettelkasten gestolpert und habe beide kurz ausprobiert. Nach kurzer Zeit war allerdings klar, dass beide von meinem Ideal weit enfernt sind: synapsen hat den großen Nachteil, dass es nicht kostenlos (geschweige denn frei) ist und zusätzlich ist die Eingabestruktur ziemlich unflexibel; dasselbe Problem hat auch Zettelkasten, und hier kommt noch dazu, dass Literaturverwaltung (insbesondere die Integration in BibTeX) sehr unkomfortabel ist. Beiden gemein ist, dass sie ein jeweils eigenes Dateiformat verwenden, was die Interoperabilität, Kompatibilität und Zukunftssicherheit nicht gerade erhöht. Ergo: das kann nicht alles sein! Schließlich will ich die Lösung nicht schon nach kurzer Zeit wieder wechseln (müssen) und dann unter Umständen große Probleme bei der Portierung der Daten haben.

Glücklicherweise bin ich weder der erste noch der einzige, der eine gute Wissensmanagement-Lösung sucht/benutzt. Über die Stifti-ML (herzlichen Dank, in no particular order, an Jakob, Till, Niels, Christoph, Michael, Sebastian und Christian) habe ich einige Anregungen erhalten, die ich hier zusammenfassend darstellen will:

  • Wiki: Ein Wiki bietet bei der Form der Eingabe ein hohes Maß an Flexibilität. Zusätzlich ist die Eingabe und das Editieren sehr unkompliziert und es lassen sich einfach Querverweise realisieren. Die Flexibilität dürfte dann zum Nachteil werden, wenn es um Literaturverwaltung geht, die eine hohe Strukturierung notwendig macht (vielleicht lässt sich das über XML irgendwie umsetzen?). Die Möglichkeit, das Wiki lokal und/oder im Web zu betreiben, ist für kooperatives Arbeiten sicher von Vorteil. Als konkretes Programm wurde mir MoinMoin empfohlen
  • Word: Eine gewissermaßen direkte Umsetzung des Luhmann'schen Zettelkastenprinzips in die digitale Welt ist die Verwendung eines Word-Dokuments zur Sammlung des Wissens. Durch Verwendung der Gliederungsansicht lässt sich eine einfache Darstellung der Struktur verwirklichen und Querverweise sind ebenfalls möglich. Ein Problem bei langjähriger Benutzung kann die Größe des Dokumentes werden, aktuelle Word-Versionen sind hier jedoch deutlich stabiler geworden, und es besteht die Möglichkeit, bei einem bestimmten Umfang Inhalte in weitere Dokumente auszulagern (was allerdings auf Kosten der einfachen Durchsuch- und Überschaubarkeit geht). Ein weiterer Vorteil von Word ist die einfache Einbindung von nicht-westlichen Zeichensätzen und OLE-Objekten.
  • Notizbücher: Das gute alte Notizbuch -- ob nun ein Moleskine oder in preisgünstigerer Ausführung -- scheint auch noch bei vielen zum Einsatz zu kommen. Die Vor- und Nachteile sollten hierbei offensichtlich sein.
  • Tinderbox: Mehrmals als Non-Plus-Ultra der Informationsspeicherung und -strukturierung angepriesen wurde mir Tinderbox. Mangels einer Windows-Version (die aber bald kommen soll) bliebt es mir bisher leider verwehrt, es selbst auszuprobieren, aber die Beschreibung auf der Website sieht sehr vielversprechend aus. Die Möglichkeit der Visualisierung und u. a. grafischen Manipulation semantischer Zusammenhänge, die XML-Basis und die Integration ins Web und andere Programme lassen das Programm als sehr attraktiv erscheinen. Der Preis ist mit 165 USD zwar nicht gerade billig, wenn das Programm jedoch hält, was es auf den ersten Blick verspricht, scheint es angemessen zu sein.
  • ATLAS.ti und MAXqda: Als ich die Visualisierungen von Tinderbox sah, hatte ich sofort die Assoziation mit Abbildungen, wie sie mit Programmen zur Analyse qualitativer Daten, etwa ATLAS.ti oder MAXqda, erstellt werden können. Da sich die Auswertung qualitativer Daten vielleicht gar nicht so sehr von den Zielen einem persönlichen Wissensmanagements unterscheidet, müsste man sich überlegen, ob nicht auch ensprechende Software hier gute Dienste leisten könnte. Ein Vorteil von ATLAS.ti ist etwa die Codierbarkeit von Bild, Video- und Tonquellen, was bei anderen Lösungen kaum möglich sein wird. Leider gehen meine Erfahrungen mit diesen Tools über ein bisschen Herumspielen mit der Demoversion von ATLAS.ti nicht hinaus und ich erlaube mir deswegen kein Urteil.
  • Das Original: Interessanterweise benutzt niemand einen Zettelkasten nach dem Luhmann'schen Modell. Dies kann natürlich daran liegen, dass ich explizit nach digitalen Alternativen gefragt habe, aber da einige Antworter sich explizit für eine analoge Lösung ausgesprochen haben und Luhmanns System so schlecht nicht gewesen sein kann, wundert es mich schon ein wenig.
Dass eine ideale Lösung immer individuums- und in gewissem Maße disziplinspezifisch ist, ist klar. Deswegen habe ich versucht, Vor- und Nachteile der einzelnen Lösungen möglichst umfassend darzustellen und damit die Wahl zu erleichtern. Für mich selbst bin ich noch zu keinem abschließenden Urteil gekommen, aber ich will auf jeden Fall Tinderbox ausprobieren, und ein Programm zur lokalen Installation eines Wikis habe ich auch bereits installiert. Nach einer endgültigen Entscheidung werde ich hier auf jeden Fall noch etwas schreiben.

Weitere Links:
http://www.43folders.com/ (Seite rund um Effizienz usw.)
http://lys.antville.org/stories/630959/ (umfangreicher Überblick über Software zur Literatur- und Wissensverwaltung)

[1] Niklas Luhmann: Kommunikation mit Zettelkästen. Ein Erfahrungsbericht. In: ders.: Universität als Milieu. Kleine Schriften. Haux Verlag, Bielefeld: 1992, S.53--61. Siehe auch http://www.sciencegarden.de/meinung/200107/lxuhmann/luhmann.php

Sunday, May 15, 2005

Ithaca, I'm coming!

Finally, I have received the definitive admission to Cornell U. All the tension during the last weeks, fearfully opening my mailbox, waiting for calls or e-mails, convincing myself that everything will work out just fine etc. etc. -- it is over! Ithaca, I'm looking foward to spending a wonderful year at yours!

PS I have thought about setting up a "I'm going to America"-Blog for documenting my preparations and of course the stay there but I'm not sure yet (looking at the posting frequency in the air-pump world should teach me a lesson ...)

Thursday, May 12, 2005

Preliminarily admitted

Urgh, my state of mind has been radically altered. I just received the information that I have been been "preliminarily admitted" at Cornell University. The final decision will be made this afternoon (local time). Keep your fingers crossed! News -- good news, hopefully -- will be submitted soon...

Thursday, March 24, 2005

Flache Bewusstlosigkeit

Ich weiß nicht, was passiert ist,
weil die Zeit an mir vorbeizieht.

Fischmob -- Tranquilo


Der letzte Post liegt ein Weilchen zurück, und das hat mit meinem gegenwärtigen Zustand, der durch Überschrift und Zitat ganz gut ausgedrückt wird, zu tun. Zugegebenermaßen übertreibe ich damit zugleich wohl ein bisschen und es klingt dramatischer, als es ist, aber ich habe doch das Gefühl, dass die Zeit wirklich als bloß verschwommene Kontur an meinem Fenster vorbeijagt, ohne dass ich einzelne Blöcke unterscheiden kann. Diese flache Bewusstlosigkeit ist es dann auch, die dazu führt, dass ich die Bloggerei, die ihrem Wesen nach, mit ihrem Zeit- und Datumstempel, ein sehr guter Pflock in der Zeitachse ist, ein wenig vernachlässige -- ein Blog-Eintrag erfordert die Einhegung eines Zeitraumes, dessen Rekapitulation und seine schriftliche Niederlegung (zumindest in der Luftpumpenwelt).

Vielleicht sind es der freie Tag und die Aussicht auf ein mehr oder weniger freies langes Osterwochenende, die es mir ermöglichen, ein paar Zäune um die letzten beiden Wochen zu ziehen und zumindest in Kurzform das Berichtenswerte darzulegen.

Converge

Ah, mir läuft immer noch ein kalter Schauder den Rücken hinunter, wenn ich an letzten Freitag denke. Ursprünglich hatte ich schon letzten Samstag den Plan, einen ausführlicheren Bericht zum Converge-Auftritt im Kato zu verfertigen, aber ich wollte zuerst ein wenig Abstand gewinnen, um nicht allzu lobhudlerisch zu wirken. Nun habe ich allerdings festgestellt, dass die Euphorie kaum weniger geworden ist, was in
der Konsequenz dann entweder für Converge oder gegen meine Reflexions- und Kritikfähigkeit sprechen muss. Ein Urteil hierüber will ich mir nicht erlauben.

Um es kurz zu machen: Bestes Konzert seit langem (ja, besser als Zeke; allerdings schwer zu vergleichen); erste Vorband, Undying, eher mäßig, Modern Life is War ziemlich gut; Publikum zuerst furchtbar (Windmühlen-Kickbox-Idioten), hat sich bei Converge aber zusammengenommen; Converge sind großartig, verzweifelt, abgehoben, toll. Der Rest entzieht sich der Diskursivierbarkeit, wenn ich nicht in die üblichen Phrasen verfallen will. Wen es interessiert: Sie wollen im Sommer wohl zwei alte Alben auf Doppelvinyl bei Deathwish veröffentlichen.

Assemblages, Parlamente, Thinge

Am Samstag war die Eröffnung von Making Things Public, der neuen Ausstellung
von Bruno Latour im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medienkultur. Darin soll es um neue Formen der Demokratie gehen, Formen, die Latour mit dem Namen Dingpolitik bezeichnet. H, der an der Vorbereitung der Ausstellung beteiligt war und auch einen Beitrag für den Katalog verfasst hat, war zur Eröffnung eingeladen und hat sich eher abwartend-skeptisch geäußert ("... abgefahrenes Zeug macht der da wieder ..."). Ich habe mir gestern ein kleines Merve-Bändchen von Latour zur Ausstellung gekauft und es auch schon durchgelesen. Insgesamt fand ich es recht interessant, Latour bringt einige Denkanstöße, allerdings verbleiben diese oftmals im arg Metaphorischen und Unkonkreten. Ich bin auf jeden Fall sehr auf den Katalog gespannt (noch ist er nicht fertig), da die Autorinnen und Autoren und die Titel der Aufsätze, auf die Latour verweist sehr viel versprechend klingen. Alles, was im STS-Bereich Rang und Namen hat und noch viele andere, haben einen Beitrag geschrieben -- insgesamt umfasst das Konvolut über 1000 Seiten. Wenn es gut läuft, kann ich die Ausstellung im Sommer im Rahmen des jährlichen Betriebsausflugs des M-Instituts besuchen, ansonsten würde ich es irgendwie auf eigene Faust versuchen.

Saturday, March 12, 2005

Support haGalil.com -- Unterstützt haGalil.com

Sorry to annoy you, but I have sound reasons: maybe you have heard of the only german Jewish online-magazine haGalil.com, but since I suppose that you haven't, let me say some words about them:

They have been founded in 1995 and during the years become the largest European Jewish online-magazine. They provide a wide range of information on Jewish life around the world as well as on anti-semitism. They have been partly funded by the German federal government as part of the "rebellion of the decent", a government initiave against right-wing extremism. However, this funding will be ended this year, supposedly because there has been some disagreement among the society behind haGalil. I don't want to speculate if that is the true reason, yet, the current situation is highly problemtatic for haGalil and since I regard their website as of highest value I strongly recommend that you visit their site, get your own impression and then, hopefully, support their site in whatever way you can. Thanks!

--
Es ist ja nicht unbedingt meine Art, Aufrufe zu starten oder zu Spenden aufzufordern, in diesem Fall ist dies jedoch anders, da das entsprechende Projekt mir sehr am Herzen liegt. Es geht um das jüdische Online-Magazin haGalil.com. Da ich vermute, dass viele es nicht kennen, will ich kurz ein paar Worte über den Inhalt und den Anspruch von haGalil verlieren:

Das Magazin wurde 1995 gegründet und berichtet seitdem sowohl über vielfältige Aspekte jüdischen Lebens in Europa und der ganzen Welt sowie auch über Antisemitismus. Bisher wurde sie zum Teil von der Bundesregierung mitfinanziert, die haGalil im Rahmen des so genannten "Aufstandes der Anständigen" in ihr Förderprogramm aufgenommen hatte. Diese Unterstützung soll nun jedoch gestrichen werden. Vordergründig geht es hierbei um Streiteren bei den Trägervereinen von haGalil, ob dies jedoch der wahre Grund ist, weiß ich nicht, und in der Konsequenz ist es auch egal. Die Konsequenz ist nämlich, dass das Fortbestehen von haGalil akut gefährdet ist. Deswegen rufe ich auf diesem Wege alle auf, sich die Seite anzuschauen, sich ein eigenes Urteil zu bilden und haGalil dann hoffentlich auf welchem Wege auch immer zu unterstützen. Danke!

Sunday, March 06, 2005

Für Fans. Nur für Fans.

Eigentlich mag ich sie. Finde sie sogar ziemlich gut. Obwohl sie nicht so ganz meinen sonstigen Hörgewohnheiten entsprechen. Ja, Oma Hans machen echt guten Punkrock mit sehr netten Texten. Und am Freitag sollten sie im Festsaal Kreuzberg aufspielen.

Da R und P mir immer wieder von den tollen Konzerten von Oma Hans vorgeschwärmt hatten und der Preis genau an der Zehn-Euro-Schmerzgrenze lag, entschloss ich mich, mir das ganze einmal anzuschauen. Nach einem ziemlich anstregenden Tag und einiger kommunikationsbedingter Hektik, schlugen wir also im Festsaal auf. Dort fanden früher (und vielleicht immer noch) vor allem türkische Hochzeiten aus und so sieht das Gebäude von außen auch aus. Innen ist es sehr nett, nicht zu groß und vor allem eine drei Seiten des Raumes umschließende Empore für die älteren Besucherinnen und Besucher und die Bootlegger.

Wir waren deutlich zu früh und vergnügten uns deswegen noch ausgiebig am Bierstand, sodass ich gar nicht merkte, dass die erste Band (sorry, keine Ahung, wie sie hießen) irgendwann schon zu spielen begonnen hatte. Da sie aber recht nett klangen, platzierte ich mich seitlich vor der Bühne. Das restliche Publikum nahm die Kapelle freundlich, aber auch nicht euphorisch auf. Als ich nach dem Auftritt mit P über seine Meinung sprach, lieferte eine treffende Beschreibung: "Klingen wie 'ne Mischung aus Tocotronic und Zitronen." Über meinen Einwurf, dass sie wie eine gute Mischung aus den beiden klängen, konnten wir uns dann allerdings nicht mehr einigen.

Dann war es soweit, Herr Rachut und seine Mitspieler betraten die Bühne. Und begeisterten das zahlreich anwesende Publikum von Beginn an. Ich hatte mich auf Halbdistanz postiert und nahm eine abwartende Haltung ein. Dadurch, dass ich die Stücke zumeist kannte, habe ich mich zu Beginn gut amüsiert, nach einer Weile wich diese Stimmung jedoch einer gewissen Langeweile. Grund hierfür war die Bühnenperformance bzw. deren Nicht-Vorhandensein -- Oma Hans standen eigentlich nur herum und spielten ihr Ding. Keine Show (muss ja auch nicht sein), keinerlei Interaktion mit dem Publikum, nicht einmal Ansagen. R meinte später, dass dies vielleicht ein absichtliches Statement im Sinne "wir sind eine unkommerzielle Band und beugen uns den Konventionen des Genres nicht" gewesen sei, was ich mir zwar schon vorstellen kann, aber angesichts der Tatsache, dass sie sogar eine Zugabe spielten, finde ich es nicht sehr überzeugend. Meine Interpretation ist, dass sie genau wussten, dass sie eine sehr treue AnhängerInnenschaft habe und deswegen auch nicht mehr machen müssen. Oder, um es etwas böswilliger in einem Wort zu sagen: Slayer.

Also, Kinder: Nur zu Omma gehen, wenn ihr sie wirklich lieb habt, und nicht weil ihr euch erhofft, dass sie euch ein paar Showeinlagen zusteckt.

Saturday, February 26, 2005

Saturday Reflection

So it's Saturday afternoon, snow falling, brain worn out from reading about brain images (more on that on an another occasion), i. e. the perfect time for a blog entry and some reflection on the course of my Doppelstudium-project (note to me: think of better name for project).

I have decided to switch in my entries between German and English for no particular reason; maybe I want to get some more practice in English in preparation for my upcoming stay in the US. But since I supposedly have none or extremely few readers it's my business anyway (if anyone complains, I might give it another consideration). But enough introductory remarks---let's get to the core of things.

That is, the topic of starting to study an additional subject (there seems to be no direct translation of "Doppelstudium"; I suppose because it is impossible to do something similar in the Anglo-American university system). This project has gotten a bit out of focus for different reasons:
First, I have contacted the office for student guidance of the FU for information on the respective regulations. Contrary to my expectations, I received an immediate response (very immediate, indeed: they called me three hours after I had sent them an e-mail) that was on first sight very positive: at the FU it possible to study one major and have the usually needed second major substituted with another completed diploma (i. e., psychology in my case). For confirmation I will have to contact the Magisterprüfungsbüro at Humboldt, but I suppose they will have similar regulations like the FU. However, something the counselor said made me a bit doubtful: He asked me, if I regarded it necessary to start another, additional subject or if it wouldn't suffice to visit courses in European ethnology and invest my energy in an interdisciplinary Ph. D. thesis. "Collecting same-status diplomas might not be of much use in itself ..." Currently, I am not sure of that and plan to do further inquiries in this direction (Studienstiftung and ...?).
Second, a remark by HS has shown me another perspective: he strongly recommended to try to complete a degree when I will be at Cornell. This will be very difficult, I suppose, but if it is possible it would render the ethnology-plans irrelevant. Anyway, that is something I can only decide when I'm in the US.
A third factor, a very practical one, lies in the reform of studies: in the coming winter term the Institute for European Ethnology will introduce the new BA/MA-system. Maybe it is possible to be admitted to a higher semester (at that time I will have completed a Schein in the Fidgety Philipp-seminar) but if not, my plans are dead. I wouldn't have expected that the BA/MA-crap would have such immediate influence on my studies.

As you can see, things have gotten more plain in some respects but at the same time more complex in others. Therefore, I will try to sort things out as far as I can on the side of the "hard" factors and then decide on that basis.

Sunday, February 20, 2005

Kritik der Veranstaltung -- Veranstaltung der Kritik

Grrrrrrrr! Wie ich dieses Wortspiel (oder sollte ich sagen: Spiel der Worte -- Worte des Spiels?) hasse! "Macht der Diskurse -- Diskurse der Macht", "Rassismus der Mitte -- mitten im Rassismus", und heute nun "Angst des Terrors -- Terror der Angst".

Aber keine Sorge, mein Urteil über die Qualität des Veranstaltungstitel korreliert nicht mit demjenigen zu ihr selbst. Eher im Gegenteil. Warum ich mich überhaupt an einem Sonntag um zwölf Uhr auf den Weg in den tiefen Westen Berlins gemacht habe, war eine kleine Notiz in der Berliner Zeitung. Dort war eine Diskussionsveranstaltung unter dem Titel "Terror und Angst" (wahrscheinlich war der BerlZ der eigentliche Titel zu peinlich) mit Carolin Emcke und Philipp Sarasin angekündigt, und da ich bekennender Fan von Sarasin und seiner Foucauldianischen Herangehensweise an Geschichte bin, wollte ich mir die Gelegenheit, ihn einmal live zu sehen, nicht entgehen lassen. Frau M sowie C aus der Europäischen Ethnologische hatten eigentlich auch Interesse bekundet, ließen sich aber wohl vom ungünstigen Termin abschrecken.

Die Ankündigung in der Zeitung trug nicht nur den falschen Titel, sie unterschlug auch den zweiten Mann auf dem Podium (Carolin Emcke, Kriegsreporterin und Redakteurin beim Spiegel, trat als Gastgeberin bzw. Moderatorin auf): der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP).

Sarasin machte nach einigen einleitenden Bemerkungen von Carolin Emcke den Anfang mit einem kurzen Filmausschnitt aus einer "BBC exklusiv"-Reportage, in der das Eindringen von Viren in den Körper und die Reaktion des Immunsystems darauf als Shoot-em-up-Videospiel dargestellt wurde. Darauf aufbauend stellte er die Thesen aus seinem letzten Buch, Anthrax. Bioterror als Phantasma, vor. Ich habe das Buch leider nicht gelesen, aber im Wesentlichen ging es um eine Lacan'sche und vermutlich teilweise Foucauldianische Betrachtung des Phänomens Bioterror. Die Hypothese ist, dass Anthrax als ursprünglich "dummer, leerer Signifikant" durch Kollektivvorstellungen von der Stadt als Körper sich hervorragend zur Verbreitung von Angst eignet. Darauf aufbauend verfolgt er weiterhin, wie durch die Koppelung von Immigration und Seuchengefahr eine komplexe Mischung von Phantasmen und Realem produziert wird, an deren Ende Epidemiologie und Seuchenkontrolle mit Politik konvergieren. Sarasin stützt sich hierbei auf seine Sammlung von empirischen Material, z. B. einer Anzeige, in der Mischwesen aus Spritze und Bombe (leider konnte ich die Grafik im Internet nicht finden) eine klare Verbindung zwischen der Impfung gegen Anthrax und dem Krieg gegen den Terror herstellen.

Gerhart Baum ging auf Sarasins Thesen nicht weiter ein und redetete stattdessen allgemein über Terror (nicht zuletzte aus seiner Erfahrung des RAF-Terrors als Innenminister), Kriminalität und die Einschränkung von bürgerlichen Freiheiten. Diese Ausführungen waren höchst erfreulich und wenn sich Baums Position in der FDP durchsetzte, wäre sie eine nicht unattraktive Partei. Was mir vor allem positiv auffiel, dass Baum seine Kritik primär auf die deutschen Verhältnisse richtete und keine "hier alles alt-europäisch gut, in den USA alles Diktatur"-Position bezog.

Carolin Emckes Einlassungen zum Thema gingen teilweise in diese Richtung und so sah ich mich bemüßigt, Sarasin noch zu einer Einlassung zum Thema Instrumentalisierung und Intentionalität zu veranlassen. Seiner Foucauldianischen Position konsequent folgend unterstrich er, dass er -- in der Diskussion um sein Buch war ihm dies wohl öfter vorgeworfen worden -- keine Verschwörungstheorie vertrete. Es gebe keine dunkle Macht hinter dem Lauf der Geschichte, sondern nur lokale Intentionalitäten. Allerdings schränkte er diese These im konkreten Fall des Anthrax-Terrors wieder ein und meinte, dass in diesem Falle offensichtlich einiges "nicht ganz koscher" sei.

Ich würde sagen, der Ausflug an die Schaubühne hat sich gelohnt, wenngleich ich die Form der Podiumsdiskussion als eher unangenehm erlebt habe und die Besetzung mit Sarasin und Baum insofern etwas unglücklich war, als dass kein tiefer gehender Dialog im eigentlichen Sinne zustande kam. Manche Thesen Sarasins hätte ich gerne eingehender diskutiert, vielleicht ergibt sich eine solche Gelegenheit irgendwann einmal. Besonders spannend finde ich hierbei seine Verknüpfung von Lacan und Foucault. Was in Reizbare Maschinen noch etwas überflüssig erschien, ergibt in der Untersuchung von Phantasmen wie dem Bioterror Sinn und zeigt die Grenzen der Analysefähigkeit in Foucaults Kategorien auf. (Notiz an mich: irgendetwas zu Lacan machen)

Thursday, February 17, 2005

Ludwik Fleck

An dieser Stelle soll es wieder eine kurze Einschätzung (das Wort Rezension erschiene mir doch übertrieben) eines Buches zur Wissenschaftstheorie geben, nämlich von Ludwik Flecks Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache.

Dieses bereits 1935 erschienene Buch des polnisch-jüdischen Mediziners Fleck dürfte inzwischen vielen an Wissenschaftstheorie Interessierten bekannt sein -- ganz im Gegensatz zu Flecks Zeitgenossen. Die Rezeption nach der Veröffentlichung in Basel kann wohl am besten als "nicht vorhanden" charakterisiert werde und fand einen Aufschwung erst durch Thomas S. Kuhn, der in "The Structure of Scientific Revolutions" (1962) Fleck als einen wichtigen Einfluss aufführte. Wer Kuhns Thesen zur Entwicklung von Wissenschaft kennt, dem ist dieser Einfluss schnell offensichtlich -- die zentralen Konzepte von Fleck, Denkstil und Denkkollektiv, ähneln der Kuhn'schen scientific community und den paradigms sehr.

Ausgehend von einer historischen Betrachtung der Entstehung der modernen Vorstellung von Syphilis, zeigt Fleck sehr schön auf, warum Wissenschaft nicht adäquat als ein Prozess beschrieben werden kann, der ausschließlich von rationalen Kriterien bestimmt ist oder einer stringenten Entwicklungslinie folgt; Wissenschaft (und nicht nur diese! Fleck betrachtet seine Konzepte als allgemein soziologische Kategorien, die auch auf andere Denkkollektive wie etwa religiöse Gemeinschaften angewandt werden kann) ist in verschiedene gesellschaftliche Kontexte eingebettet, vor allem aber spielen auch strukturelle Regeln und Begrenzungen innerhalb der wissenschaftlichen Produktion (also die Denkstile) eine höchst signifikante Rolle.

Ich will auf die Inhalte an dieser Stelle nicht weiter eingehend und verweise stattdessen auf die ausführliche Zusammenfassung in der Einführung in die deutsche Ausgabe.

Insgesamt kann ich das Buch all denjenigen empfehlen, die sich dafür interessieren, wie sich die moderne Wissenssoziologie und Wissenschaftstheorie entwickelt hat. Wenngleich einem viele Hypothesen etwas überholt erscheinen mögen, ist immer wieder erstaunlich, welch modern anmutenden Konzepte Fleck bereits zu einem so frühen Zeitpunkt formuliert hat. Auch jenseits dessen ist die Lektüre des Buches durch Flecks schönen Stil mit einer Vielzahl an wohlklingenden Neologismen und Metaphern sehr angenehm: so spricht er vom "denkkollektiven Widerstandsaviso", dem "denkzwingenden Charakter des Denkkollektivs" oder von der "intrakollektiven Gedankenwanderung". Was den Lesegenuss deutlich trübt, ist die große Redundanz im Empirischen. Wie Schäfer und Schnelle in ihrer Einleitung bemerken, macht das Buch den Eindruck, recht hastig niedergeschrieben zu sein, was sich nicht zuletzt in seitenlangen Beschreibungen wissenschaftlicher Sachverhalte oder übertrieben langen Zitaten zeigt. Wenn man diese Teile aber überliest und sich auf die theoretischen Teile konzentriert, bleibt ein großer Gewinn: wer die Genese moderner Wissenschaftstheorie verstehen will, die oder der kommt nicht an Fleck vorbei.

Ludwik Fleck (1935/1980). Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache. Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.

Friday, February 11, 2005

Doppelt hält besser?!

"'Doppelt hält besser' -- das hatten wir doch schon", mag der eine oder die andere beim Lesen der Übrschrift denken. Doch wer genau hinschaut, kann einen kleinen, für mich aber nicht unwesentlichen Unterschied erkennen: ein Fragezeichen hat sich in seine Ecke im Setzkasten zurückgezogen und lässt sein Geschwisterlein alleine mit dem kräftigen Ausrufezeichen1.
Doch im KLartext: das Projekt Doppelstudium hat an Konkretheit gewonnen und ist der Umsetzung zumindest ein wenig näher gekommen ist. Daran ist hauptsächlich Frau M "schuld": wie im letzten Post bereits angekündigt, habe ich mit ihr über die Angelegenheit gesprochen, und unerwarteterweise wurde sie ihrer ihr von mir zugedachten Rolle nicht im geringsten gerecht und überhäufte mich nicht etwa mit 20 guten Gründen gegen ein Doppelstudium, sondern hielt es vielmehr für eine gute Idee, über die sie auch schon nachgedacht habe. Doch damit nicht genug, machte sie mir zugleich auch noch Hoffnungen, dass die Umsetzung eventuell einfacher ist, als ich mir das vorgestellt hatte. Sie habe wohl von jemandem gehört, dass es möglich sei, das Diplom-Studium irgendwie so anerkennen zu lassen, dass man nur noch ein Hauptfach belegen müsse, um auf Magister zu studieren. Und damit wären die von mir formulierten Vorbedingung eigentlich sogar übererfüllt.

Der nächste Schritt wird jetzt wohl sein, dass ich zu versuchen werde, zu eruieren, ob und zu welchen Bedingungen diese Anerkennung meines Diplomstudiums möglich ist. Ich habe zwar die starke Befürchtung, dass das nicht einfach werden wird, aber das ist es auf alle Fälle wert. Fortsetzung folgt.

1: Das wäre doch übrigens ein schöner projektiver Test: Welches Satzzeichen wären Sie gerne? Ich würde mich wahrscheinlich für das Et-Zeichen oder die Tilde entscheiden.

Tuesday, February 08, 2005

Doppelt hält besser?!?

"Da hat er ja wieder mal eine Schnapsidee! In seinem ersten Blog-Eintrag schreibt er noch von den vielen gescheiterten Projekten, und jetzt kommt er mit so was! Und das gerade angesichts der Studiengebührenscheiße, über die er sich in den letzten Wochen ausgelassen hat. Neenee, ich versteh den nicht ..."

Ja, so könnte man vielleicht auf meine neusten Überlegungen zu meinem Studium reagieren und eigentlich wäre es mir auch ganz recht, darüber in eine reale Diskussion einzutreten, in der mir Leute energisch widersprechen (vielleicht am Mittwoch mit Frau M oder -- falls ich ihn jemals wieder telefonisch erreichen sollte -- mit Herrn L). Aber wozu habe ich schließlich mein Blog: besser eine schriftliche Selbstgesprächsdiskussion als eine nur im Kopf.

Doch genug der Vorrede, Sie brennen sicher schon darauf, zu erfahren, wovon ich eigentlich spreche.

Doppelstudium.


Ich gebe Ihnen ein wenig Zeit, damit sich das Wort setzen kann und Sie sich schon einmal die Konsequenzen einer solchen Entscheidung vergegenwärtigen können. Unterdessen plaudere ich schon einmal über die Konkretisierungen, die meine ersten Überlegungen schon durchlaufen haben. Wenn ich mich recht entsinne, hatte ich die Idee mit dem Doppelstudium schon einmal, im dritten oder vierten Semester (eventuell in Zusammenhnag mit Plan X, den ich hier nicht näher erläutern will); damals hatte ich großes Interesse an der FU-Ethnologie, hervorgerufen zum einen durch den Kontakt mit Ethno-Studis, zum anderen durch I's Seminare zu verwandten Themen (Notiz an mich: J oder L fragen). Ich kann leider nicht mehr genau rekosntruieren, warum ich den Plan fallen ließ, aber an guten Gründen hat es damals wie heute sicherlich nicht gemangelt.

Seitdem hat sich das Thema eigentlich nicht mehr ergeben und ich bin erst kürzlich wieder darauf gekommen; das hatte sicherlich zuvörderst mit meinen nicht-psychologischen Wahlfächern zu tun, die beide einen großen Reiz auf mich ausüben, und der damit verbundenen Bewusstmachung des beschränkten Horizonts auch innerhalb des Angebots der FU-Psychologie. Den letzten Ausschlag für eine ernsthafte Beschäftigung mit dem Thema war jedoch der letzte Samstag. Wie Sie unten stehendem Artikel entnehmen können, war ich mit meiner StipendiatInnen-Gruppe im Theater und zu fortgeschrittener Stunde sind einige von uns noch in eine Kneipe gegangen. Dort kam ich dann das erste Mal ausgiebiger mit F ins Gespräch, die selbst Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation auf Diplom und zusätzlich noch Philosophie und ein zweites Hauptfach, an das ich mich im Moment nicht erinnern kann, studiert. Mal abgesehen von der intellektuellen Faszination, die F auf mich ausübte (Props an die Stiftung dafür, dass ich solche Leute treffe), rückten ihre Erzählungen das Projekt Doppelstudium in eine Distanz, die mir nicht unwindbar erschien und zum Teil immer noch erscheint. Sie meinte, dass sie wohl insgesamt 14 Semester bis zum Abschluss benötigen würde, was für ein Doppelstudium eigentlich nicht so ungeheuer viel ist (zwei Semester mehr als der Durchnitt der FU-Psychos :-). Hinzu kommt, dass sie sozusagen zwei vollständige Studien absolviert, was ich mir unter Umständen ersparen könnte. Konkret habe ich mir nämlich überlegt, als Zweitstudium Europäische Ethnologie als Hauptfach und Wissenschafts- und Technikgeschichte und Psychologie als Nebenfächer zu studieren.

Und hier ist eigentlich auch der entscheidende Punkt: ich werde auf keinen Fall ein zweites Hauptfach studieren, das würde zu lange dauern. Gleichzeitig weiß ich nicht, ob es möglich ist, zugleich Psychologie auf Diplom und als Nebenfach zu studieren. F meinte, so eine Konstruktion habe es früher an der TU gegeben, inzwischen aber nicht mehr. Ich müsste jetzt erst einmal herausfinden, an wen ich mich überhaupt mit einer solchen Frage wenden kann.

Wenn es wirklich funktionieren würde, wäre die Versuchung sicher sehr groß. Ich denke, dass ich die damit verbundene Belastung bewältigen könnte, und vor allem verspreche ich mir sehr viel davon -- diese Fächerkombination würde mir eine sehr, sehr breite theoretische wie methodische Fundierung im Bereich der Wissenschaftsforschung verschaffen, die ich für sehr nützlich, wenn nicht gar notwendig erachte. Klar, ich könnte mir diese Dinge vielleicht auch auf andere Art und Weise aneignen, aber erstens ist das ohne die Struktierung eines Studium aus Erfahrung deutlich schwieriger und zweitens kann an ein zweiter Fetzen Papier vulgo Diplom sicher nicht schaden. Abgesehen davon geht es ja nicht nur um Karriere- oder abstrakte Aspekte, sondern auch darum, dass mir die Dinge viel Spaß machen.

Dagegen spricht neben der Belastung (vor allem wegen der Notwendigkeit des gleichzeitigen Brötchenverdienens) die zeitliche Streckung. Was habe ich nicht L im letzten Sommer vorgejammert, dass ich doch mein Studium straight durchziehen und unbedingt vor meinem dreißigsten Geburtstag promoviert haben müsse usw. usf. An diesem Punkt bin ich mir inzwischen aber nicht mehr so sicher -- die meisten Menschen, mit denen über den Aspekt gesprochen habe, widersprachen mir. Das allein heißt natürlich noch nichts, aber ich bin von meinen eigenen Argumenten inzwischen nicht mehr so überzeugt. (Notiz an mich: weitere Erkundigungen einholen)

Tja, Sie sehen, ich bin ein wenig ratlos, zugleich aber auch duraus euphorisch. In diesem Sinne werde ich nun versuchen, die "harte Seite" wie Zulassung, Anrechnung etc. genauer zu eruieren, um dann auf dieser Basis über die "weiche Seite" eine gute Entscheidung treffen zu können. Fortsetzung folgt ...

Sunday, February 06, 2005

Unterirdisches Theater

Hört, hört! Ich war im Theater! Und nicht etwa nur in einem Theatergebäude, wo dann etwas ganz unthetralisches stattfand, nein: im Berliner Ensemble bei einem echten Handke/Peymann-Stück. Das war die gute Nachricht, nun die schlechte: das Stück war ziemlich mies. Es ließe sich nun einwenden, dass ich als höchst spärlicher Theatergänger (auch dieses Mal war ich nicht aus eigener Initiative, sondern mit meiner Stipendiatinnen-Gruppe hingegangen) das doch gar nicht beurteilen könne und schließlich hätten die anderen Zuschauerinnen und Zuschauer doch immer gelacht, aber darauf lasse ich mich nicht ein. Das sagt gar nichts. Punkt.
Doch zur Kritik im Einzelnen (wer auch von fachkundigerer Seite ein ähnliches Urteil lesen will, begebe sich hierhin): Als der Vorhang sich hob, hatte ich noch ein ganz gutes Gefühl, das Bühnebild sah auf jeden Fall interessant aus -- ein längs halbierter U-Bahnwaggon, ganz in weiß, nahm die ganze Bühne ein und erzeugte eine gewisse Kino-Breitformat-Perspektive. Doch dann nahm das Übel seinen Lauf und die ersten Fahrgäste betraten das Abteil und nach kurzer Teil auch der Protagonist, der im Folgenden mit seinen Monologen den restlichen Abend füllen sollte. Diese Monologe waren die Beschimpfungen eines gescheiterten Spieß-Bürgers im Wortsinne, der in einer selbstgerechten Pose seinen Überdruss an seinen Mitfahrerinnen und Mitfahrern ausließ. Wie oben bereits erwähnt: das Publikum fand es toll und hat sich angesichts der durchaus vorhandenen Sprachmächtigkeit von Handkes Text köstlich amüsiert. Zu Beginn war dies ja noch erträglich, aber leider ging es immer und immer weiter, immer dieselben Ressentiments gegen Frauen, Wissenschaftler, Ausländer, Klerus, Jugend, Elend usw. usf. Es gab zwar ein wenig Abwechslung durch verrätselte Stationsnamen, mysteriöse Auspizien auf dem Bahnhof und das durchaus ansehnliche Mitspiel der im Hintergrund bleibenden Schauspielerinnen und Schauspieler, aber die Redundanz überwog deutlich. Nach ewig lang erscheinender Zeit fand die Katharsis endlich ihren Höhepunkt: die Mitfahrenden erfüllten dem Nörgler seinen Wunsch und ließen ihn allein in "seiner" Welt.

So weit, so schlecht. Wäre das Stück hiermit zu Ende gegangen, hätte man mit Erleichterung die zu engen BE-Sitze verlassen und sich der wirklichen Scheiß-Welt zuwenden können, aber nein: Herr Handke hat (natürlich!) noch etwas in petto. Ja, Sie mögen es schon geahnt haben: Der Spieß-Bürger litt an seiner Einsamkeit; was war er ohne die Objekte seines Hasses! Nach dieser Erkenntnis donnerte es bedeutungsschwanger und die Auspizien traten in Form der Frau mit dem seltsamen Hut wieder auf die Bühne. Und ja, Sie werden wieder ahnen, das ganze kehrte sich um und der Beschimpfende wurde zum Objekt der Beschimpfung und Lächerlichkeit -- gäääähn.

Der höhnende Abschluss war dann eine Szene, in der das Abteil verschwand, und es erschien stattdessen eine surreale Landschaft voller auf Stöcken stehende Ziffern einschließlich der Stimme Gottes mit klugen Sentenzen aus verschiedenen Ecken des Offs. Frage mich niemand, was da zu bedeuten hat; wahrscheinlich eine Art der Auflösung im Metaphysischen.

Und wo bleibt das Positive, Herr Kritiker? Ja, auch im BE darf man Kästner'sche Fragen stellen und ich habe sogar eine Antwort: Der Hauptdarsteller war echt gut. In der späteren Diskussion mit den anderen Studienstiftungsleuten kam er zwar schlecht weg, aber ich fand, dass er sehr gut zu der Rolle gepasst hat. Was er nicht konnte, war die Redundanz und Offensichtlichkeit des Stückes wettzumachen, aber das würde ich auch nicht erwarten, unterirdischer Text bleibt unterirdischer Text.

Thursday, February 03, 2005

Zeke

Pheeew, was für ein Abend! Hohe Erwartungen, die voll erfüllt wurden! Ja, genau, ich war auf einer Zeke-Show, letzten Dienstag im Kato. Ich hatte zuletzt ein bisschen gezögert, hinzugehen, da ich sehr viel um die Ohren hatte und dazu am Mittwoch der erste Tag meines Praktikums sein sollte. Da aber bereits mein Wochenende ziemlich beschissen gewesen war (Blockseminar), wollte ich mir die Gelegenheit, Zeke ein zweites Mal sehen zu können, nicht entgehen lassen. Das letzt Mal hatten sie vor zwei oder drei (R und ich haben es absolut nicht mehr zusammenbekommen) im Wild at Heart gespielt und seitdem sind R und ich sehr von ihnen überzeugt. Daher also unsere hohen Erwartungen und die Vorfreude.

Wir trafen uns um halb neun, um noch gemütlich vorher ein Bier trinken zu können und waren dann pünktlich um halb zehn zur ersten Band im Kato. Der Name hatte uns beiden nichts gesagt, und ich muss zugeben, dass ich gerade schon Schwierigkeiten hatte, mich wieder an ihn zu erinnern. Wenn mich nicht alles täuscht, hießen sie "The Roosters". Mein schlechtes Gedächtnis sollte nun niemandem Anlass sein, an der Qualität der Roosters zu zweifeln, ich fand sie ziemlich nett. Ihr Outfit und ihre Show zu beschreiben fällt seeehr leicht, indem man einfach "The Hives" sagt. Ich fand es ja teilweise echt übertrieben (weißer Anzug, Gamaschen, entsprechende Bühnenaction etc., aber wenigstens kein Schnurrbart), aber es hielt sich noch im Rahmen des Okayen. Über die Musik ließe sich ähnliches sagen, R fand sie etwas besser als ich. Meines Erachtens hatte sie sehr gute Parts, aber es haperte an den Songstrukturen, die Parts haben nicht immer so gut zusammengepasst. Aber wie gesagt: Sie waren echt gut.

Nach einer kurzen Pause haben dann Zeke losgelegt. Ich stand gerade noch mit R und einem halbvollen Bier am Tresen, und trotz Bierstürzens haben wir es kaum bis zum Ende des ersten Liedes geschafft :-) Was insofern aber auch nur bedingt richtig ist, als dass man bei Zeke live zwischen einzelnen Lieder eh nur schwer unterscheiden kann -- Songs gehen nahtlos ineinander über und eine Pause wird einem nur selten gewährt. Meine fiktive Band macht das übrigens genauso, außer wenn sie wie bei Strife in den Pausen zwischen den Songs Noise reinsampelt. Wenn man von ein paar Obercool-Deppen im Publikum absieht, war es wirklich großartig; sehr cool war auch die Ankündigung der "last chance to dance" nach etwas 25 minuten, was noch nicht mal die Hälfte des gesamten Auftrittes war. Nerviges halbherzig-hinter-der-Bühne-verschwinden-und-auf-Zugaberufe-warten blieb einem auch erspart; eine Zugabe haben sie gespielt. Über die Setlist kann ich nichts Genaueres sagen, aber ich habe keinen Hit vermisst.

Fazit: jedes Mal wieder! Wer noch die Möglichkeit hat, sollte sich Zeke nicht entgehen lassen (die Europatour hat gerade erst begonnen und geht noch bis weit in den März) und sich auch die Scheiben besorgen. Zu empfehlen sind auf jeden Fall "Kicked in the Teeth" und "Death Alley"; die neue, "'til the Living End" ist zwar teilweise etwas langsamer und (um das Wort, das in keinem Zeke-Artikel fehlen darf endlich einmal zu verwenden) etwas mehr Motörhead, aber etwas langsamer heißt bei Zeke eben immer noch 230 auf der linken Spur.

Sunday, January 30, 2005

Über die Luftpumpen

Ich hatte ja versprochen, bei Gelegenheit den Uneingeweihten den Titel meines Blogs zu erklären. Eigentlich ist gerade kein sonderlich gute Gelegenheit, da ich mich besser mit meiner Bewerbung für Cornell oder der morgigen Präsentation beschäftigen sollte, und deswegen fasse ich mich vorläufig sehr kurz.

Der Titel und Name des Blogs ist eine Anspielung auf den Titel eines Buches von Steven Shapin und Simon Schaffer, Leviathan and the Air Pump. Hobbes, Boyle, and the Experimental Life. Darin geht es, grob gesagt, um die Entstehung des Experiments als bevorzugter Form der Erkenntnisgewinnung in den Naturwissenschaften. Eine wichtige Auseinandersetzung in der Frühphase dieser Entwicklung spielte sich zwischen Thomas Hobbes (den meisten wohl nur als Staatsphilosoph mit seinem Leviathan bekannt) und Robert Boyle, einem der Erfinder der Luftpumpe (Otto von Guericke war zwar früher dran, aber Boyle entwickelte ein Design, mit dem sich innerhalb des "Vakuums" Experimente durchführen ließen). Shapin und Schaffer zeigen anhand dieser Kontroverse um die richtige Methode des Erkenntnisgewinns sehr schön einerseits die Eingebettetheit wissenschaftlicher Kontroversen in gesellschaftliche Kontexte, zeigen aber zum anderen auch (und damit unterscheiden sie sich von mehr konstruktivistischen Wissenschaftstheoretikern), dass der Ausgang der Kontroverse unlösbar mit den Mitteln des Experiments -- hier also der Luftpumpe -- und bestimmten Vorannahmen, etwa über die Existenz des Vakuums, verknüpft ist. Weiterer wichtiger Punkt ist, dass Shapin und Schaffer schön rekonstruieren, wie sich in dieser Kontroverse ein "experimental way of life", eine bestimmte Lebensform mit nicht zuletzt moralischen Normen, herausgebildet hat, die unsere Sichtweise von "richtiger" Wissenschaft bis heute prägt.

Im Einzelnen gibt es natürlich viele weitere sehr spannende Punkte und ich kann die Lektüre des Buches nur wärmstens empfehlen! (eine kurze Rezension findet sich zum Beispiel hier)

Viele (mich eingeschlossen) halten das Buch für ein großartiges Beispiel für eine "neue" Form der Wissenschaftsgeschichte, die nicht bloße Ideengeschichte betreibt, sondern Wissenschaft und ihre Instrumente in verschiedene Kontexte einzubetten und die Verbindungen zwischen den verschiedenen epistemischen Felder aufzuzeigen versucht.


Steven Shapin and Simon Schaffer. Leviathan and the Air Pump: Hobbes, Boyle and the Experimental Life, Including a Translation of Thomas Hobbes, Dialogus Physicus De Natura Aeris. Princeton, NJ: Princeton University Press, 1985.


Friday, January 28, 2005

VV-Flashbacks

Wie angekündigt bin ich pflichtbewusst zur Info-Vollversammlung gegangen. Mein letzter Blog-Eintrag hatte mein Kommen noch etwas verzögert, aber ich war mir sowieso ziemlich sicher, dass man um halb drei sicher nocht nichts verpasst hast, wenn die VV auf zwei angekündigt ist. So war es dann natürlich auch -- der Hörsaal war passabel voll, aber die Versammlung hatte noch nicht begonnen. Zu meinem Erstaunen war ein relativ großes Presseaufgebot da, viele Fotografen (sic) und sogar Reuters TV mit zwei Kameras.

Gegen zwanzig vor drei ging es dann endlich los, der Arbeitskreis Hochschulpolitik hatte die Sache organisiert und leitete die Sitzung auch. Während die Tagesordnung vorgestellt wurde und darin das Wort "Resolution" erwähnt wurde, stellte sich bei mir zuerst eine kurze Gänsehaut ein, die dann aber umgehend in eine gewisse Erheiterung umschlug. Für die Uneingeweihten: "Resolution" ist auf studentischen Vollversammlungen immer derjenige Teil, während dem sich die Masse der Leute spätestens verzieht und bei dem es die beknacktesten Redebeiträge, Geschäftsordnunganträge und Zwischenrufe gibt. Ich kann nur jeder und jedem, die oder der selbst mal so eine Veranstltung durchführt und eine möglichst große Beteiligung an etwaigen Aktivitäten gewährleistet haben will, raten, auf eine Resolution entweder vollkommen zu verzichten oder zumindest einen vorher vorbereiteten, aus etwa vier Gemeinplätzen bestehenden Text in einem möglichst unauffälligen Verfahren abnicken zu lassen. Was in Resolutionen steht, interessiert außer denjenigen, die sie abstimmen, sowieso niemanden. Und das meine ich genau so, wie ich es sage, keine Relativierung, das ist so.

Nach Vorstellung der Tagesordnung gab es anlässlich des Jahrestages der Befreiung von Auschwitz eine Gedenkminute; sehr gute Idee, fand ich, und die Anwesenden haben sich auch anständig verhalten (keine Ahnung, ob das heute noch selbstverständlich ist). Nach der Gedenkminute gab es ein etwa fünfzehnminütiges Eingangsreferat von David Hachfeld(?), der in einer rhetorisch höchst angenehmen Art und Weise die aktuelle Situation darstellte. Die anschließende Debatte war wie zu erwarten: langweilig, recht kraftlos und teilweise einfach furchtbar: "Wir Studierende müssen eine Partei gründen!", "Wir müssen die SPD in ihrer kritischen Haltung stärken!", "Die Wahlalternative ist für Euch da!" usw. usf. Was mich etwas erstaunt hat, war, dass einige sich von den Gewerkschaften einiges versprachen; ich hätte nicht gedacht, dass die Gewerkschaften doch noch einen gewissen kritischen Ruf haben. Aber vielleicht waren es ja auch nur Mitglieder, die sich zu Wort gemeldet haben (*gesteh* ich habe mit dem Gedanken gespielt, der Versammlung die Solidarität des Landesauschusses der Studierenden zuzusichern. Aber da es dazu noch keinen Beschluss gab, habe ich es als anständiger GEWler natürlich gelassen ;-)

Da ich noch beim Auslandsamt vorbeiwollte und ich mir von weiterem Bleiben auch nichts versprach, bin ich gegen halb vier wieder gegangen. B hat mir beim abendlichen LASS-Treffen dann n erzählt, dass auch nicht mehr viel gelaufen sei, außer dass für heute und Sonntag Treffen an der Offenen Uni anberaumt wurden und es am 3.2., dem bundesweiten Aktionstag, auch in Berlin eine Demo geben soll.

Was soll man abschließend zu der Sache sagen? Klar, zum größten Teil war alles wie immer, nur schlimmer (SCNR). Das Schlimmere war meines Erachtens die recht lethargische Stimmung der Anwesenden, die ansonsten in der Frühphase des Protestes bisher eigentlich immer kämpferischer war. Man könnte vermuten, dass der Streik vom letzten Jahr, noch einigen eine demotivierende Erfahrung ist (kleine Skurilität am Rande: während der Debatte haben mehrmals Leute ernsthaft behauptet, der letzte Streik sei erfolgreich gewesen!). Ein anderer Faktor ist IMO, dass sich die meisten durch die aktuelle Beschlusslage des rot-roten Senates noch sicher fühlen und mit der Solidarität mit anderen, war es in Studi-Protesten ja noch nie weit her ...

Insofern bin ich einmal gespannt, wie sich die Situation weiter entwickeln wird. Ich bin pessimistisch, aber das ist ja auch nichts Überraschendes.

Thursday, January 27, 2005

Gestern war es dann also soweit: wie zu erwarten, erklärte das Bundesverfassungsgericht das allgemeine Verbot von Studiengebühren für das Erststudium durch den Bund für unzulässig. Erstaunlicherweise lässt mich diese Entscheidung bisher ziemlich unbeeindruckt, und ich vermute, dass es zum einen mit einem pessimistischen Fatalismus zu tun hat ("... war ja klar, dass da irgendwann kommt ...") und zum anderen mit der persönlichen Nicht-Betroffenheit. Beim zweiten Punkt bin ich mir allerdings nicht so ganz sicher -- auch in früheren Jahren bin ich zumeist davon ausgegangen, dass mich Studiengebühren nicht persönlich treffen würden bzw. ich sie dann schon irgendwie bezahlen können würde, aber ich habe der Frage dennoch einen höheren Stellenwert zugeschrieben. Insofern ist es wahrscheinlich eher so, dass Punkt zwei mit dem fatalistischen Moment von Punkt eins zusammenfällt. Woher diese Einstellung stammt, kann man sich vielleicht denken und ich habe auch keine Lust, es hier weiter auszuführen.

Was ich dagegen bei Gelegenheit weiter ausführen will, sind einige persönliche Überlegungen zu Studiengebühren, sozialer Selektivität und kapitalistischer Gesellschaft. Aber wie die Stichworte schon nahe legen, kann das noch ein bisschen dauern.

Festzuhalten bleibt: Studiengebühren und Kitagebühren und Büchergeld und Fortbildungsgebühren undundund sind und bleiben scheiße und unsozial Punkt.

PS Um dem Eindruck entgegenzuwirken, ich sei ein Lamer, der immer nur herumnörgelt und sich beklagt, dass die Dinge so schlimm sind: Ich gehe jetzt gleich zur Vollversammlung an der FU, in der wohl über die Konsequenzen von und handlungsmöglichkeiten angesichts des Urteils diskutiert werden soll. Und ich hätte fast eine Presseerklärung zum Thema für die GEW geschrieben ...

Tuesday, January 25, 2005

Time will tell

Ich habe ja schon seit längerem mit dem Gedanken gespielt, mir auch ein Blog zuzulegen. Allerdings hat mich die Erfahrung mit ähnlichen Projekten (Tagebuch, Reisetagebücher etc.), die oftmals sehr schnell wieder kläglich verendeten, etwas skeptisch gemacht. Andererseits: ich habe mich erst kürzlich mit L über unsere vielen gemeinsamen Projekte unterhalten, die wir mit viel Enthusiasmus begonnen und dann aber meist ziemlich sang- und klanglos wieder von der Agenda verbannt haben. L sah dies -- gerade in Hinblick auf meine Ideen für neuen Unsinn-- recht kritisch und meinte, dass das ja eigentlich scheiße sei, mit allem Möglichen anzufangen und dann nichts zu Ende zu bringen. Meine Entgegnung war, dass es letztendlich nicht so wichtig sei, ob man etwas bis zum Ende bringt, und es vor allem darauf ankomme, während der Zeit, in der man die Unternehmung noch aktiv betreibt, es mit Spaß tut. Gut -- ich will das nicht verallgemeinern, aber bei bei Projekten, die man "zum Spaß" verfolgt (vielleicht erläutere ich diese gemeinsamen Projekte bei Gelegenheit einmal ausführlicher, könnte ganz amüsant werden), denke ich schon, dass man es so sehen kann.
In diesem Sinne beginnt mit dem heutigen Tage also auch das Projekt Blog und ich werde mich hüten, irgendwelche Aussagen über die Lebensdauer oder Herzfrequenz des Wesens zu treffen. Time will tell ...